FILM AN SCHULEN
Gruppenprojekte rund um Filme, Filmproduktionen und Filmveranstaltungen im Rahmen der Ganztagsschulpraxis in Ingolstadt
Projektleiterin: Bettina Reinisch
Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler der Mittelschule ab der 4. Jahrgangsstufe im Rahmen der offenen Ganztagsschule
Inhaltliche Schwerpunkte der Workshops sind:
Filme
Jugendliche analysieren, beschreiben, kontextualisieren und interpretieren themengeleitet altersgerechte Filme, z.B. hinsichtlich der Darstellung von Frauen/Technik/Außerirdischen, Verwendung und Einfluss von Spezialeffekten, Farbeinsatz oder anderer ästhetischer Gestaltungsmerkmale, Story-Führung, inhaltlicher Schwerpunkte (Gewalt/Krieg, Migration, Liebe etc.)
Ziele: Bewusstes und zielgerichtetes Wahrnehmen von Filmen; Auswählen, Sortieren und Bewerten von Erkenntnissen; Vermittlung dieser an jugendliches Publikum in einmaliger Filmvorführung mit moderierter Diskussion / Präsentation
Filmproduktion
Jugendliche erarbeiten ein Filmprojekt konzeptuell und setzen die einzelnen Schritte praktisch um. Form (Spielfilm, Dokumentation), Format (MiniDV, Webcam, Handy) und Genre gestalten sich je nach eigenen Ideen, bestehenden Ausschreibungen oder Vernetzungsmöglichkeiten. Einzelne Bestandteile der Produktion sind:
- Drehbuch, Regie, Kamera & Licht, Szenenbild, Schauspiel (evtl. in Kooperation mit Theatergruppen)
- Tongestaltung / Filmmusik (evtl. in Kooperation mit Musikgruppen), Montage/Filmschnitt und
- Produktion (Rechte, Finanzierung, Vernetzung/Verwertung)
Ziel: (Kurz-)Film, der vor Publikum aufgeführt wird, evtl. weitere Verwertung
Filmveranstaltung
Jugendliche planen und organisieren eine einmalige oder regelmäßige Filmveranstaltung (Filmfest, Filmreihen). Dadurch lernen sie Filme zu gruppieren (nach Zielpublikum, Filmsparten, Themen etc.), Kontakte und Kooperationen zu schaffen sowie für dies einen geeigneten Vorführrahmen zu finden und zu schaffen.
Ziel: Etablierung einer Filmveranstaltung in schulischen Rahmen oder darüber hinaus
Kreativität
Die Ideenfindung und -umsetzung findet in betreutem Rahmen und in gemeinsamer Diskussion statt. Das Erarbeiten einer Geschichte (Drehbuch) fördert die Fantasie; ihre filmische Umsetzung schärft den Blick für visuelle Situationen und erweitert die technischen Kompetenzen; in der postproduktiven Phase (Schnitt) werden erzählerische sowie audio-visuelle Zusammenhänge aufgedeckt.
Vernetzungsmöglichkeit
Da Film ein genuin interdisziplinäres Medium ist, z.B. indem es Bild und Ton/Musik verbindet, und da es verschiedenste kreative und technische Prozesse vereint, bietet er gedankliche und tatsächliche Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Fachbereichen (Musik, Deutsch, Physik), Freizeitaktivitäten (z.B. Skatevideo) und auch anderen Institutionen (Schulen, Jugendzentrum, Musikschulen, Theater etc.)
Teilnehmerzahl: Maximal 20 Schülerinnen und Schüler
Zeit: Im Rahmen der offenen Ganztagsschule werden für interessierte Schülerinnen und Schüler vier Workshopstunden (45 Min.) pro Schulwoche angeboten
Medienpädagogische Ziele: Mit den Jugendlichen werden Themen erarbeitet, anhand derer sie Filme über die reine Unterhaltungsform hinaus als soziokulturelle Werke wahrnehmen. Die Kunstform und das Medium Film wird in den einzelnen Produktionsschritten analysiert, nachvollzogen und schließlich selbst gestaltet.
Soziale Ziele: Film funktioniert nur in Gruppenarbeit. Die jeweiligen Projektformen (Filme, Produktion, Verwertung) erfordern verschiedene Kompetenzen, die sich in gemeinschaftlicher Arbeit ergänzen und gegenseitig berühren. Gleichzeitige und sukzessive Gemeinschaftsarbeiten innerhalb der Projekte durchziehen den gesamten Prozessverlauf. Kooperationen mit anderen Kulturgruppen (z.B. Theater) oder Institutionen fördern Kommunikation und synergetisches Denken.
Ort: Das Projekt wird zunächst an einer Mittelschule in Ingolstadt umgesetzt, die sich in einem sozialen Brennpunkt befindet.
Technische Voraussetzungen
Beamer / VGA-Anschluss für Laptop
Warum Film als Medium?
Im Freizeitverhalten heutiger Jugendlicher spielen Massenkommunikationsmittel wie Internet und Handy eine überragende Rolle. Auf einschlägigen digitalen Plattformen werden neben Nachrichten und Statements zunehmend auch Fotos und Videoclips ausgetauscht; ob aus eigener Produktion oder als Konsumware – audiovisuelle Formate sind nicht mehr weg zu denkender Bestandteil alltäglicher Kommunikation geworden. Das ist praktisch und äußerst unterhaltsam, oft aber auch oberflächlich und flüchtig, auf Qualität und Substanz wird wenig geachtet. Dass die Medien an sich – hier Fotografie und vor allem Film – neben dem kommunikativen Nutzen immer auch künstlerische, historische und höchst soziale Werte in sich tragen können, ist den jungen Konsumenten meist nicht richtig bewusst. Und genau dies soll durch Film an Schulen vermittelt und in praktischen Arbeitsprozessen verständlich gemacht werden.
In der gängigen Unterrichtspraxis kennt man Filme hauptsächlich als Lehrfilme, die thematisch stark spezialisiert sind; Wissensvermittlung und Veranschaulichung sind die primären Ziele. Dieser etwas einseitige Blick auf das Medium Film soll durch die freie künstlerische, interdisziplinäre und kulturelle Auseinandersetzung erweitert werden. Jugendliche befassen sich im Rahmen von Film an Schulen mit verschiedensten audiovisuellen Werken, also mit Spielfilmen, Kurzfilmen, zu denen eine Vielzahl von Videogattungen zählt – Musik-, Sportvideos, Internet-Tutorials etc. – Dokumentar- und Trickfilm. Unterhaltung ist dabei zwar ein nicht zu unterschätzender, jedoch bei Weitem nicht zentraler Fokus. Den Jugendlichen wird freigestellt, aus welcher Perspektive sie sich dem Thema Film annähern, was sie aus ihm machen und wie lang- oder kurzfristig ihre Aktivitäten dahingehend sind. Doch eines ist klar: So wie Fotografieren kein reines „Knöpfchen-Drücken“ ist, ist Filmemachen kein bloßes „Draufhalten“ und Sichten kein pures „Entspannen“.
Bewegte und vertonte Bilder können ganze Universen kreieren, können lyrisch und episch sein, enthalten und erschaffen organische oder regelhafte Strukturen. Das Filmemachen bietet eine enorme Vielfalt an künstlerischen und technischen Gestaltungsmöglichkeiten; Beobachtungsgabe und Kreativität werden gleichermaßen gefördert. Außerdem ergeben sich durch die Inhalte der filmischen Werke viele Anschlussthemen und Impulse für den schulischen, kulturellen und gesellschaftlichen Alltag. Da das Angebot aktive/produktive Filmbildung ebenso fördert wie rezeptive Filmbildung, können die unterschiedlichen Interessen der Jugendlichen in den Arbeitsprozess mit einfließen und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden.